|
|
|||||
![]() |
|||||
|
|||||
|
UNDER CONSTRUCTION ;-o))) Copyright 2005 by Thomas Eifert Schlagzeugunterricht und Philosophie Es gibt ja einige Wege, sich dem Ruf der Trommel (oder eines anderen Instruments) hinzugeben, nach nunmehr 8 Jahren praktiziertem Schlagzeugunterricht und Weiterbildung kristallisieren sich doch zwei für mich relevante Unterschiede heraus: Zum Einen der interessierte (selbst- oder über die Eltern organisierte) Musikschüler, der von Anfang an Unterricht erhält und sich so der Materie eher von der theoretischen Seite nähert. Er hat meist keine Banderfahrung und weiss auch manchmal nicht so recht, was er von der ganzen Sache halten soll. Wenn er dranbleibt, muss er lernen, das Gelernte mit Leidenschaft in die musikalische Praxis umzusetzen. Zum Zweiten der Musikabhängige, den die Vorstellung, ein Instrument - nein, DIESES Instrument - zu spielen, nicht mehr schlafen lässt und der ALLES versucht, das irgendwie hinzukriegen, indem er seinen Helden mit den Ohren auf die Finger guckt und sie zu imitieren versucht. Da das eine super-schmerzhafte und langwierige Erfahrung sein sein kann, bleibt er oft nicht dabei bzw. stösst irgendwann an seine Grenzen. Spätestens dann muss er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. WAS IST BESSER? Die Frage wird mir oft gestellt, sie ist aber nicht zu beantworten. WIE herum man sich an die Musik heranpirscht, ist eigentlich egal, wichtig ist, WAS MAN DRAUS MACHT. Vielleicht hat man schon ein grosses Technikrepertoire, dann stellt sich oft die Frage: WAS soll ich denn DAZU spielen?!? Oder man hat kein grosses Technikrepertoire, aber einen ganz bestimmten Rhythmus im Kopf, dann stellt sich die Frage: WIE krieg ich es hin, DAS zu spielen?!? Man sieht, es bleiben in beiden Fällen Probleme offen, die gelöst werden möchten... Wers noch nicht gemerkt hat: ich bin Fall 2 ;-o)) - ein Musikjunkie, den der Ruf der Trommel mit ca. 16 erreicht hat und der sich mit viiieeel Mühe, Geduld und (im Rückblick gesehen) vielen Irr- und Umwegen die nötigen Fertigkeiten beigebracht hat, um in Bänds mitzuspielen. Gottseidank bin ich mit einer gewissen Musikalität ausgestattet, die viele technische Mängel einfach zu kompensieren half. Trotzdem - auch wenn es lange gedauert hat - kam ich an den Punkt, wo es nicht mehr weiterging und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen musst (mit ca. 38). Auslöser war eine "Rekrutierung" zum Schlagzeuglehrer, die mich zum Füllen meiner Lücken nötigte. DAS war sicher die schmerzlichste Erfahrung in 20 Jahren aktiver musikalischer Betätigung: "spiel mal einen Rhythmus - und jetzt zähl mal 8tel..." Als ich das Horrorkabinett verliess, fragte ich mich: BRAUCHST du das wirklich?!?! Als gestandener Trommler Ende 30?!? Geht doch auch so, bist doch immer klargekommen... GOTTSEIDANK habe ich weitergemacht und kann mich heute mit Stolz "Schlagzeuger" nennen. Der Unterschied zwischen einem Trommler und einem Schlagzeuger ist der: der Trommler imitiert den Schlagzeuger, der Schlagzeuger WEISS, WAS ER TUT. Mein Lieblingsbild ist dann immer der Mann, der vor dem Affenkäfig eine Zigarre raucht und der Affe, der ihn mit einer Banane im Mund imitiert. Wobei sich das so negativ anhört, ist es aber nicht gemeint. Ich habe allergrößten Respekt vor Menschen, die mit wenig theoretischem und technischen Grundwissen obergeile Musik machen können. Nur ein Beispiel von tausenden: Stevie Wonder spielte bei allen seinen Platten die Drums selber ein. Bei einer Audition für Live Gigs fragte er Greg Bissonette, ob er denn so einen Groove spielen könne (spielte es selber vor). Greg Bissonette (die ehrliche Haut) musste verneinen. All sein Können und seine Technik ermöglichten ihm nicht, so ein "FEEL" zu erzeugen, wie der "Stümper" S. Wonder. Bleibt also die Grund- und Gewissensfrage: TROMMLER ODER SCHLAGZEUGER?! Vielleicht erleichtert es die Entscheidung, wenn wir mal einen Blick auf die Anforderungen und den aufzubringenden Einsatz werfen: WAS braucht der Trommler? Das wäre zuerst der TRIEB, der einen z.B. dazu bringt, sich aus Waschmitteleimern (Omo, Dash ÂÂ kennt die noch jemand?) ein Schlagzeug zu basteln (mit Becken aus Kuchenblechen). Dann ist hilfreich eine unermessliche FRUSTRATIONSTOLERANZ bei folgenden Fragen: WIE spiele ich schneller und ausdauernder? WIE spiele ich diesen und jenen Rhythmus? WARUM läufts heute prima und gestern hat mal garnix geklappt? WIESO lachen die Menschen, wenn ich einen 7/8tel-Takt zähle (eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sie ÂÂ ben ;-o))), WIESO tun mir nach einem 45 Minuten Gig alle Knochen weh und andere Drummer spielen 5 ÂÂ 8 Stunden, WAS sind eigentlich Rudiments und wozu braucht man sowas, WAS versteht man genau unter Spielttechnik?! Als ambitioniertem Einzelkämpfer bleibt einem da garnix übrig als das alte Konzept "Versuch und Irrtum". Dieses Konzept ist allerdings nur für ganz Hartgesottene von Nutzen, da sich (statistisch erwiesen) weit öfter ein Irrtum als ein Erfolgserlebnis einstellt. Beispiel: ein befreundeter Drummer zeigte mir einen Rhythmus, bei dem eine 16tel-Betonung mit der Bassdrum in die 8tel-Kette der rechten Hand gespielt wird (er nannte es damals Synkope). Ich brauchte einen ganzen TAG, um die Unabhängigkeit zwischen rechter Hand und BD-Fuss zu erringen, es gelang mir erst abends in der Badewanne (klingt blöd, ist aber so ;-o)). ALLE Versuche vorher misslangen. HEUTE zeige ich das einem Schüler, der schon den 8tel-Grundrhythmus beherrscht, in etwa 15 Minuten! Weiterhin ist ein unzerstörbares EGO sehr von Vorteil, ein fester Glaube an sich selbst und die Fähigkeit, sich vom Rütteln an diesen Glauben niemals beirren zu lassen. Ich hatte 3x ein Schlüsselerlebnis: ich war jedesmal sicher, ein recht guter Drummer zusein, den so leicht nix aus der Fassung bringt, dann schüttelte jemand Sachen aus dem Ärmel, die ich Leben nie spielen konnte (oder ich spielte in einer Bänd vor, die grössere Ansprüche stellt und die ich nicht erfüllen konnte). Zuletzt war es das vorher beschriebene Zähl-Erlebnis. Harte Brocken, an denen sich leicht verschlucken lässt! Als Trommler muss man also ein ziemliche harter Brocken sein, ein Einzelkämpfer, ein allen Frustrationen überlegener Rambo, dann kommt man weiter. WAS braucht dann ein Schlagzeuger? Nun, bis zu einem gewissen Punkt ähneln sich die Biographien von Trommlern und Schlagzeugern und es gibt viele Übereinstimmungen. AABER: ab einem gewissen Punkt scheiden sich die Geister. Während der Trommler einzelne Rhythmen übt (und nur die dann auch kann), übt der Schlagzeuger KONZEPTUELL, heisst: er lernt nicht nur die einzelne Fuss-Synkope, sondern ALLE MÖGLICHEN innerhalb des Taktes, und zwar mit Schlüsselübungen. Dazu hat er sich mühsam (durch permanentes Mitzählen) ein FORMALES BEWUSSTSEIN aufgebaut, heisst: er weiss immer ganz genau, welches 4tel, 8tel, 16tel gerade "in der Mache" ist. Das ist natürlich die Voraussetzung für Notenlesen, verhilft aber auch zu einer traumwandlerischen Sicherheit innerhalb eines Rhythmus´. Er übt kreativ, heisst: nachdem die Übung grundlegend verstanden und eingeübt wurde, wird sie nicht abgelegt, sondern weiter solange modifiziert, bis sie ausgequetscht ist wie eine Zitrone und wirklich nix mehr hergibt. Er übt ZIELGERECHT, heisst: geduldig langsam und bewusst hin auf traumwandlerische Sicherheit und nicht auf hauruckhopplahoppfertisch-jetztkannichsnochschneller. Er beschäftigt sich mit motorischen Abläufen und Spieltechniken, die ihm nicht nur helfen, bei jeder Tagesform ein brauchbares Ergebnis abzuliefern, sondern ihn auch dabei unterstützen, stundenlang mit Härte und Ausdauer zu spielen. Dabei ist er kein Einzelkämpfer, er hat qualifizierten (hoffentlich) Unterricht, der ihm DIE GANZEN IRRWEGE, IRRTÜMER, MISSVERSTÄNDNISSE etc. abnimmt, die der Trommler alle alleine bis zum bitteren Ende durchstehen muss. Er weiss, dass Rudiments nicht dazu da sind, damit anzugeben (obwohl es manchmal verführerisch ist ;-o)), sondern um Spieltechnik und Stockkontrolle zu perfektionieren und zu verinnerlichen. ALSO IST DER SCHLAGZEUGER DER BESSERE TROMMLER?! Tja... auch darüber kann man geteilter Meinung sein. Fakt ist, dass die derzeitigen Bedingungen (qualifizierte Ausbildung überall errreichbar, metronomische Hörgewohnheiten durch viel programmiertes Schlagzeug in der Musik, metronomischer Anspruch bei Schlagzeugern u.s.w.) dazu führen, dass die Schlagzeuger (und nicht nur die!) immer "gleicher" klingen. Es gibt kaum noch welche, die man nach kurzem Hören bereits genau identifizieren kann. Kein Wunder, wenn alle den ähnlichen Background haben... Die wenigen Drummer, die sich alles selber beigebracht haben und heute noch erfolgreich arbeiten, kann man an jedem Schlag erkennen. Als Beispielt möchte ich Ian Paice (Deep Purple) anführen, ein echter Autodidakt, der Schwierigkeiten hat, Anderen sein Können zu vermitteln, weil er sich alles selber ausgetüftelt hat. Er sagte in einem Interview sinngemäss, dass es kaum etwas "Neues" in der Schlagzeugwelt gibt, solange jeder die gleichen Sachen nach der ähnlichen Methode übt. Dabei überwiegt immer mehr der sportliche Aspekt: noch unbhängiger, noch schneller, noch sicherer. Sein Tipp: sich uralte Jazz-Aufnahmen zu besorgen und zu hören, wie sich die Drummer "durchkämpfen" und dabei innovativ sind. Diese Jungs werden heute kopiert, ohne dass die heutigen Drummer das realisieren. Sie haben die Rhythmen und Licks erfunden, die heute zum Standardprogramm gehören, aber nicht nur die, da gibt es noch viel mehr zu entdecken. Dazu Mike Terrana:
“If this technology hadexisted in the 60’s & 70’s I truly believe that drummers like John Bonham, Keith Moon, Cozy Powell, Stewart Copland, Bill Bruford, Billy Cobham, Phil Collins and a host of many other legendary drummers would not exist. All of the above-mentioned drummers can be recognized by their personalized drum sound (tuning) and playing style. Drum samples erase the style and soul of the drummer. It masks the personality of the artist. Now all the drummers sound alike. What a shame! Boring... Sportlich und/oder musikalisch?! Fakt ist, die Anforderungen an den Schlagzeuger von heute werden immer grösser. Wenn es vor ca. 10 Jahren noch gelangt hat, ein bis zwei Rhythmen in wechselnden Tempi schön zu "grooven" (und damit sogar Welttourneen zu absolvieren), ist die Messlatte heute sehr viel höher: Unabhängigkeit von Händen und Füssen, Hand- und Fusstechnik, Timing, Mikrotiming, Click-Sicherheit, Dynamik, stilistische Kompetenz, flexibles Equipment, Tuning, Recording... die Liste nimmt kein Ende. Wenn man (wie ich) jahrelang mitgelitten hat, wie schwer es für einen Anfänger ist, die ersten Rhythmen auf dem Schlagzeug mit Händen und Füssen zu spielen, fragt man sich, wie abschreckend es sein muss, wenn man mitkriegt, wie lange es dauert, bis es so klingt wie beim Drummer der Lieblingspunkband (ohne Pro-Tools, versteht sich ;-o))). Technik-Monster (im durchaus positiven Sinn!) wie Thomas Lang und Virgil Donati tun ihr Übriges, um die Messlatte NOCH höher zu legen, für den Durchschnittsmenschen, der nicht 20 Jahre lang 5-6-h am Tag geübt (und zwar richtig) hat, kaum mehr nachvollziehbar oder gar einholbar. Abschreckung oder Herausforderung, das ist hier die Frage: wer stellt sich freiwillig diesem Pensum?! Und ist es wirklich nötig?! Braucht man das Alles, nur um Musik zu machen? Die Antwort ist eigentlich sehr einfach: JEIN... TBC... “The attitude of the recording industry has changed drastically in the past 20 years. The advent of Digital recording technology and the use of computers and samplers have choked out the precious and delicate nuances of human emotion from today’s music. Many people have lost site of this very beautiful and important key element.”
|
|||||
|
|
|||||